Sie müssen Ihre Preise anpassen, weil Material, Miete oder Löhne teurer geworden sind. Jetzt stellt sich die Frage, wie Sie das Ihrer Kundschaft sagen. Dieser Ratgeber zeigt, worauf es beim Zeitpunkt, bei der Begründung und beim Ton ankommt. Am Ende finden Sie ein kurzes Beispiel zum Kopieren.
Wer die Briefe nicht selbst formulieren möchte: Das Kundenbrief-Set mit Mail, Brief und Aushang (kostenpflichtig, CHF 29) gibt es nach Branche. Das Beispiel am Ende dieser Seite ist gratis.
Der richtige Zeitpunkt
- Natürliche Stichtage nutzen. Jahreswechsel, Saisonstart oder der Beginn eines neuen Geschäftsjahres: Dann rechnen Kundinnen und Kunden eher mit Änderungen.
- Nicht nach einem Fehler. Direkt nach einer Reklamation, einer Panne oder einer Schliessung wirkt eine Erhöhung unglücklich. Erst Vertrauen wiederherstellen.
- Lieber ein klarer Schritt als viele kleine. Mehrere kleine Anpassungen in kurzer Zeit wirken unsicherer als eine einzige Anpassung mit Vorlauf.
- Intern zuerst bereit sein. Preisliste, Website, Kasse, Offertvorlage und Online-Terminbuchung sollten am Stichtag denselben Preis zeigen.
Wie früh ankündigen?
Für einen einfachen Dienstleistungs- oder Gastrobetrieb schreibt das Gesetz in der Regel keine feste Ankündigungsfrist vor. Als Faustregel (Empfehlung, kein Rechtsanspruch) haben sich vier Wochen bewährt. Bei Abonnementen, Jahreskarten oder Verträgen mit Laufzeit gilt zuerst, was im Vertrag steht. Planen Sie dann mindestens so viel Vorlauf ein, wie dort vereinbart ist.
Wer vor der Ankündigung gebucht oder eine Offerte angenommen hat, bezahlt in der Regel den Preis, der bei der Buchung galt. Massgeblich sind die vereinbarten Bedingungen, prüfen Sie daher Ihre Offerte oder Buchungsbestätigung. Schreiben Sie das ausdrücklich in die Mitteilung, das nimmt viele Rückfragen vorweg.
Wie viel Prozent es sein müssen, rechnen Sie vorab mit dem gratis Preiserhöhungs-Rechner.
Ehrlich begründen
- Ein Satz genügt. Nennen Sie den wahren Hauptgrund, zum Beispiel höhere Einkaufs-, Material-, Miet- oder Lohnkosten.
- Nur schreiben, was stimmt. Ein vorgeschobener Grund fällt auf. Wenn die Erhöhung auch Ihr eigenes Einkommen verbessert, dürfen Sie das sagen.
- Konkret statt pauschal. «Unsere Materialkosten sind seit [Jahr] gestiegen» sagt mehr als «wegen der allgemeinen Teuerung».
- Beträge und Datum nennen. «Preise werden angepasst» ohne Zahl lässt Raum für Spekulation. Schreiben Sie: bisher CHF X, neu CHF Y, gültig ab Datum Z.
Der passende Ton
Kurz, freundlich, sachlich. Danken Sie für die Treue, nennen Sie den Grund, die neuen Preise und das Datum. Entschuldigen Sie sich nicht mehrfach: Ein Brief, der dreimal um Verständnis bittet, öffnet die Diskussion statt sie zu beenden. Bieten Sie einen Ansprechpartner für Rückfragen an (Telefon oder Mail). Bei Stammkundschaft darf der Ton persönlicher sein, etwa mit einem handschriftlichen Zusatz.
Bestehende Verträge und Preisbekanntgabe
Eine Preisänderung gilt nicht allein deshalb, weil Sie sie ankündigen. Bei Verträgen mit Laufzeit, Wartungsabos oder Pauschalen brauchen Sie eine vertragliche Grundlage, zum Beispiel eine Anpassungsklausel, oder das Einverständnis der Kundschaft. Prüfen Sie Ihre Vertragsbedingungen. Für bestimmte Dienstleistungsbranchen gilt ausserdem die Preisbekanntgabeverordnung (PBV, SR 942.211), zum Beispiel für Kosmetik, Tier- und Zahnarztpraxen, Garage-Serviceleistungen und Taxi. Dort müssen Sie den tatsächlich zu bezahlenden Endpreis in Franken angeben, schon im Zeitpunkt des Kaufangebots (inklusive MWST, falls Sie mehrwertsteuerpflichtig sind). Für Werbung mit Preisen gilt die PBV auch in weiteren Branchen. Eine Übersicht bietet das SECO. Praxen, die über die Krankenversicherung abrechnen, dürfen für Leistungen nach dem KVG keine höheren Vergütungen verlangen als im Tarif vorgesehen (Tarifschutz, Art. 44 KVG). Zusatzleistungen ausserhalb der Grundversicherung können Sie anders bepreisen.
Kurzes Gratis-Beispiel
Passen Sie die Angaben in [eckigen Klammern] an Ihren Betrieb an. Der Text ist ein Muster, keine Rechtsberatung:
Betreff: Neue Preise ab [Datum gültig ab] [Anrede und Name] wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen in [Betriebsname]. Ab dem [Datum gültig ab] passen wir unsere Preise an. Der Grund: [Grund in einem Satz, z. B. Unsere Einkaufs- und Lohnkosten sind seit [Jahr] gestiegen.] - [Leistung]: bisher CHF [alter Preis], neu CHF [neuer Preis] (Zeile je Leistung wiederholen) Termine, die Sie schon vor dem [Datum Versand] gebucht haben, finden in der Regel zum bisherigen Preis statt. Bei Fragen erreichen Sie uns unter [Telefon] oder [E-Mail]. Freundliche Grüsse [Name Absender]
Typische Fehler
- Der neue Preis steht erst auf der Rechnung oder an der Kasse.
- Website, Aushang und Preisliste zeigen verschiedene Preise.
- Alte Gutscheine oder Aktionen sind nicht geregelt: Was gilt noch, was läuft ab?
- Das Team an der Kasse kennt den Brief nicht und kann keine Auskunft geben.
- Kundendaten in öffentliche KI-Tools einzugeben, um den Brief zu entwerfen (Datenschutz, DSG).
Wenn Sie nicht selbst formulieren möchten: Das Kundenbrief-Set enthält Mail, Brief, Aushang und Stammkunden-Dank für Coiffeur und Kosmetik, Gastro, Handwerk und Praxen, dazu einen Leitfaden, zwölf Antworten auf Kundenfragen und zehn KI-Prompts. Preis CHF 29. Sie sehen es zuerst an und bezahlen erst, wenn es Ihnen nützt.